aktualisiert am: 18.11.19

Lagebesprechung vor dem Abmarsch

Auch „Kinder- u. Jugendpassen“ sind dabei

Abmarsch der Glöckler ins Zentrum – mehrere Glöcklergruppen aus den verschiedenen Ortsteilen marschieren sternförmig ins Ebenseer Zentrum

PERCHTEN

Perchten sind weibliche Masken- und Sagengestalten, die während der Mittwinterzeit, meist jedoch am 5. 1., in verschiedenen Regionen in Erscheinung treten.

Der Perchtenbrauch ist hauptsächlich im Alpenraum verbreitet. Der Perchtenlauf findet je nach Region an bestimmten Tagen während der Raunächte statt. Die Raunächte beginnen Anfang Dezember und enden in der Nacht von 5. auf 6. Januar. Da Krampus, Buttenmandl und Perchten alle während dieser Zeit aktiv sind, entspringen sie vermutlich dem gleichen heidnischen Brauch.

Um sich gegen die Vorstellung, dass gerade in der Zeit der Wintersonnwende (21. Dezember = längste Nacht) Dämonen durch die Luft reiten, Teufel schädigend unterwegs sind und Wintergeister ihr Unwesen treiben, zu schützen entwickelten die Menschen in früherer Zeit Gegenmaßnahmen in Form von Kultbräuchen.

In den speziellen Raunächten (21. Dezember - 6. Jänner), öffneten sich nach dem Volksglauben die Schranken zwischen heute und morgen, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Mensch und Tier (in den Ställen geht zu dieser Zeit das Familienoberhaupt mit dem Rauchfass - darin Weihrauch und verbrannte, geweihten Osterzweige - um so die bösen Geister zu vertreiben. Das soll auch Glück für das nächste Jahr zu bringen.

Wäsche soll über Nacht nicht aufgehängt bleiben – hängende Wäsche soll Unglück bringen!

 

In den Spiegeln der Schönperchten (Pongau) sollen sich die Wintergeister erschrecken, die schiachen Larven der Schiachperchten, der Lärm durch die Schellen und die stampfenden Schritte sollen diese Wintergeister vertreiben.

 

Die Schläge mit dem Pferdeschweif der Perchten sollen Glück und bei Frauen Fruchtbarkeit bringen.

Der Begriff Perchten stammt von Frau Berchta ab, die laut Sage mit der wilden Jagd während der Raunächte durch das Land zieht und sowohl die Natur aus ihrem Winterschlaf erwecken und unrecht Schaffende einer Bestrafung zuzuführen soll.

Es gibt die sog. Schönperchten (Spiegel- und Tafelperchten, Glöckler) und die Schiachperchten.

Im 17. und 18. Jahrhundert versuchte die Kirche den heidnischen Brauch der Perchten zu verbieten, was aber nicht von Erfolg gekrönt war. Vermutlich stammen aus dieser Zeit jene christlichen Elemente die bei manchen Perchten heute noch zu finden sind.

Die Bezeichnungen der Perchtenmasken

  • Frau Bercht

  • Berigl, Bechtra

  • Berchtlmuada

  • Bechtrababa

  • Lutzl

  • Sampa

  • Stampa

  • Zamperin

  • Zampermuatta

  • Pudelfrau

  • Rauweib

Die wichtigste Funktion der Perchta liegt in der Ausübung der sozialen Kontrolle, sie achtet auf die Einhaltung des Arbeitsverbotes in den Heiligen Nächten, schaut auf die häusliche Ordnung, beaufsichtigt das Spinnen. Bei Übertretung wird mit dem Aufschneiden und dem Anfüllen des Bauches mit Mist gedroht (Schere / Besen / Mistgabel)! In dieser Funktion erscheint sie bereits in der Antike.

Das Mittelalter sieht in der "domina Berchta" (althochdeutsch "peraht" = hell, glänzend) eine Personalisierung der Sünde (Prunksucht).

Ab dem 16. Jh. wurde ihr Name auf die begleitenden Teufelsgestalten übertragen, deren wildes Treiben die Kirche im 17. und 18. Jhdt. zu unterbinden suchte.

Im 19. Jhdt. änderte sich die Einstellung gegenüber der Volkskultur und das Perchtenlaufen und Perchtenspringen wurde zum folkloristischen Schaubrauch. In der jüngsten Blüte des Perchtentreibens werden auch neu geschnitzte groteske Masken getragen, wobei auch die teuflischen Begleitgestalten des Nikolaus, die Krampusse, zu Perchten mutieren. Diese treten dann oft am 5. und 6. Dez. an Stelle des Krampus in Erscheinung!

Perchten - Perchtenläufe

Gegenwärtig gibt es eine Vielfalt an Perchten-Bräuchen in Österreich.

Große, jährlich wechselnde Perchtenumzüge mit den kunstvoll gestalteten Tafelaufsätzen der "Schönperchten" und den teuflischen "Schiachperchten" finden in Goldegg, wie im Pongau statt, (Gastein, Altenmarkt, St. Johann und Bischofshofen);

  • im Pinzgau gibt es die "Tristerer" in Unken die "Stelzentänzer"

  • in Rauris die "Schnabelbercht"

  • im Unterinntal die "Perschtln" (5. 12.)

  • im Ausseerland die "Berigln"

  • in Unterwart (Burgenland) die "Lutzln" (13. 12.)

  • in der Ost-Steiermark. die "Pudelmuatta"

  • in Unter-Kärnten das "Bechtrababa-Jagen"

  • im Salzkammergut das "Glöckler-Laufen" (5.12.)

Haupterscheinungsnacht der Percht ist die Perchtnacht am 5. Jänner, andere wichtige Raunächte sind:

 

  • 21. Dezember = Thomasnacht

  • 24. / 25. Dezember = Heilige Nacht

  • 28. Dezember = Nacht der unschuldigen Kinder

  • 31. Dezember = Silvester

  • Jänner = Neujahrsnacht)

 

Perchten - Perchtensprüche, Perchtengedichte

Hex, Hex, Hulle - Drud, Drud, Drulle
dean ma d'Stecka übers Kreiz
mit da Luzi und an Veiz,
werdn mas dann an'd Schwelln hilegn,
Bairin muas uns Krapfa geb'n.
Drud is übern First nu do,
hat a rupferne Hosn a
voller Zries und voller Gschieß
sog's wias is:
greislich scheisslich Ungestalt
hat auf d'Leit vui Gwoid.

Hex, Hex, Hulle - Drud, Drud, Drulle
dean ma d'Stecka übers Kreiz
mit da Luzi und an Veiz,
werdn mas dann an'd Schwelln hilegn.
Bairin hat uns Krapfa geb'n.
Kaspar, Melchior, Balthasar,
wir wünschen euch a glückseliges Jahr:
an Bauern a Ross und an Haiß'n danebn
und Bairin soi leben.
Noble, rogle kugelrund,
heila, weila, bumperl gsund.

GLÖCKLER

 

Am 5. Jänner, wenn es Nacht wird im Salzkammergut, dann heißt es für die „bösen Geister“ Reißaus nehmen. Es laufen dann die Glöckler mit ihren hell erleuchteten, kunstvollen Kappen durch die Winternacht. Bis zu 15 Kilo schwer und 4,5 m lang sind die filigranen Gebilde, mit denen die „Passen“ (= Glöcklergruppen) das alte Brauchtum hochleben lassen. Für eine Kappe werden bis zu 450 Arbeitsstunden investiert.

Die „Glöcklerläufe“ sind das gelebte Brauchtum in vielen Orten des Salzkammergutes. Am Vorabend des Dreikönigstages, in der letzten Rauhnacht, ist Ebensee der Mittelpunkt der Glöckler. Sie laufen mit bunten Lichterkappen auf dem Kopf durch die Straßen, auf dem Rücken tragen sie Glocken.

 

Derartige Licht- u. Lärmbräuche, die die bösen Geister des Winters vertreiben sollen, haben ihren Ursprung in vorchristlicher Zeit. Der Glöcklerlauf wurde 1873 erstmals schriftlich erwähnt.

 

Für eine Kappe brauchen die Passen 400 bis 450 Arbeitsstunden. Die Arbeit wird gemeinsam erledigt, der eine kann schön zeichnen, ein weiterer pickt (klebt) gut und wiederum ein anderer baut die Gestelle.

 

Eine solche Kappe zu tragen ist eine Herausforderung, sie kann nämlich bis zu 15 Kilo wiegen. Die größte, der sog. Sturmhut, ist 4,5 m lang, der Stern hat einen Durchmesser von 2,4 Meter. Die Beleuchtung erfolgt mit Kerzen, wo bis 12 bis 16 Kerzen in der Kappe montiert sind. Aufgrund des „offenen Feuers“ in der Kappe ist es notwendig, dass die Kappe ganz gerade getragen wird und es braucht daher ein gewisses Maß an Sportlichkeit und Talent. Um einen Hitzestau zu verhindern, ist an der Spitze der Kappe eine Öffnung eingebaut.

 

Um einen reibungslosen Glöcklerlauf durchzuführen ist ein geeignetes Wetter wichtig. Nicht so sehr Schnee oder Regen sind das Problem, der Wind ist wegen der Kappen unangenehm aber das ist meist auch kein Hinderungsgrund. Es geht schließlich um den Kampf Gut gegen Böse, Licht gegen Dunkelheit und dann ist ja wieder 364 Tage Zeit für Reparaturen.

(Adi Mittendorfer auszugsweise aus den OÖ Nachrichten vom 3.1.2018)